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Eine medizinisch-therapeutische Sichtweise zur Abstimmung Überwachungsgesetz am 25.11.2018



Mit dem Überwachungsgesetz sollen kranke oder behinderte Menschen, welche Sozialversicherungsleistungen beziehen, jederzeit bis in ihre Privaträume gefilmt oder fotografiert werden können. Dies betrifft die Privatsphäre und die Alltagshandlungen von Personen mit Krankheit oder Behinderung, zum Beispiel wenn sie im Garten arbeiten, sich kämmen, einkaufen oder kochen!
Anhand dieser Filme und Fotos schätzen Versicherungen ein, ob Menschen arbeitsfähig sind oder eine Krankheit nur vortäuschen. Nach unseren bisherigen Erfahrungen ist dieses Observationsmaterial häufig alleinig ausschlaggebend, ob Versicherungsleistungen weiterhin bezahlt werden oder nicht – und dies sogar, wenn Einschätzungen und Gutachten vom medizinischen Behandlungsteam das klare Vorliegen einer Arbeitsunfähigkeit zeigen.

Deshalb NEIN zum Überwachungsgesetz am 25.11.2018!

Wann wird Überwachung eingesetzt? Ein reales Fallbeispiel: 

Frau X wird bei der Arbeit als Spitexpflegefachfrau von einem Hund einer Klientin in den Unterarm gebissen.
Der Biss verletzt einen Nerv. Die Folgen sind ein Infekt, Muskellähmungen, Schmerzen...ein Teufelskreis beginnt. Schmerzen sind unsichtbar. Sie verändern sich, täglich - stündlich - im Tagesverlauf nicht voraussehbar. Wiederaufnahme der Arbeit, immer wieder Schmerzattacken, fehlende Kraft ....Die Ergotherapeutin rät dazu, die Belastung im Alltag, z.B. mit Gartenarbeit, langsam zu steigern und so an die Belastungsgrenzen zu kommen und diese langsam zu erweitern. Die Frau arbeitet im Garten, macht immer wieder Pausen. Und...sie wird dabei verdeckt gefilmt. 


Die Aufnahmen des Detektives sind für die Haftpflichtversicherung der Beweis, dass Frau X eine Versicherungsbetrügerin ist. Sie sei faul, denn sie mache ja viele Pausen.
Die Folge: Taggeld, Schmerzensgeld, Therapie werden ohne Rücksprache mit dem Arzt sofort gestrichen!



  • Mit dem neuen Versicherungsgesetz kann Versicherungbetrug effizient aufgedeckt werden!
    NEIN!
    Observationen sind für kriminelle Aktivitäten meist das falsche Mittel. Es gibt effektivere Alternativen, um Versicherungsbetrug aufzudecken (mehr dazu im Kapitel *Mehr*).
  • Mit verdeckten Foto- und Filmaufnahmen aus dem Alltag kann gut aufgezeigt werden, ob jemand wieder arbeitsfähig ist!
    NEIN!
    Es gibt Krankheiten und Einschränkungen, die nicht auf einem zeitlich begrenzten Film oder Foto sichtbar gemacht werden können. Die Symptome sind schwankend und auch oft nicht von aussen sichtbar (zum Beispiel Antriebslosigkeit bei einer psychischen Erkrankung, Konzentrationsstörungen nach einer Hirnverletzung, Schmerz, Sensibilitätsstörungen).
  • Das Überwachungsgesetz wird nur Menschen treffen, die unehrlich sind und Versicherungen betrügen.
    NEIN!
    Mindestens die Hälfte der Fälle wird bereits heute unbegründet überwacht. Bei vielen Fällen, denen aufgrund von Observationsmaterial die Versicherungsleistungen gestrichen wurden, hat sich später (vor Bundesgericht) gezeigt, dass die Kürzung der Leistungen aufgrund des Observationsmaterials nicht gerechtfertigt war. Kranke oder behinderte Menschen haben aber oft nicht die Kraft und Energie, um für die ihnen zustehenden Versicherungsleistungen bis vor Gericht zu kämpfen.
  • Mit dem neuen Überwachungsgesetz können Versicherungsausgaben gespart werden, welche den Ehrlichen zugutekommen.
    Nein!
    Wenn Menschen Angst haben, dass ihr aktiv Sein als Versicherungsbetrug interpretiert werden kann, werden sie im Alltag weniger aktiv sein. Damit werden Rehabilitation und die Rückkehr zur Arbeit erschwert. Aktiv Sein trägt wesentlich zum Wohlbefinden und somit zur Gesundheit bei. Angst und Stress verlangsamen den Genesungsprozess.

  • Schmerzen sind medizinisch absehbar. So weiss man auch, wer simuliert.
    Nein!
    Medizinisch gesehen gibt es keinen beweisbaren Zusammenhang zwischen dem Grad einer Verletzung/Krankheit und der vom Patienten gespürten Intensität des Schmerzes.
    Ein ganz aktueller Artikel aus dem Journal of Pain zeigt eindrücklich auf, dass die medizinischen Tests, die heute verwendet werden, um «Simulanten» (engl. malingerer) von «echten Schmerz-Patienten» zu unterscheiden, dem Fortschritt in der Schmerzforschung und dem heutigen Wissensstand zu Schmerz und Schmerzentstehung nicht entsprechen! Hier eine übersetzte Zusammenfassung des Artikels.


Wenn wegen des minimalen Anteils von Missbrauchsfälle alle von Krankheit, Behinderung oder Einschränkungen Betroffene und zufällig danebenstehende andere ohne Persönlichkeitsschutz observiert und eingeschüchtert werden können, ist das 

  • unethisch
  • ungerecht
  • kostentreibend.

Auf den folgenden Seiten finden Sie Hintergrundmaterial, und Sie können sich an einer Diskussion oder einer anonymen Umfrage beteiligen.

Aber noch wichtiger:


Stimmen Sie am 25.11.2018 gegen dieses Gesetz!


 
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